Chronik

Rassegeflügelzucht Zschorlau
Die Geschichte
Gründung:     14.01.1867
Gründer: Bauer Herrmann Klötzer, Böttcher und Gastwirt Eduard Riedel, Mühlenbesitzer Geschel
Alle Gründungsunterlagen wurden 1900 durch Feuer vernichtet. Gründungsdatum ist im Protokollbuch vom 1. März 1901 ersichtlich (zu dieser Schau wurden 21 Tiere Großgeflügel und Hühner sowie 58 Tauben ausgestellt).
Die Bewertung wurde von 3 Preisrichtern vorgenommen.
1903 trat der Zschorlauer Verein dem „ Verband Erzgebirgischer Geflügelzüchter „ bei. Heute undenkbar, damals noch möglich: Tauben standen mit angestrichenen Federn im Käfig, manche auch eingeleimt ( diese Züchter erhielten eine strenge Rüge) 1903 kaufte der Verein einen Zuchtstamm „ Thüringer Bausbäckchen“ für 25 Mark, die Vereinsmitglieder konnten für jeweils 6 Pfennige Bruteier kaufen. 1924 wurde in Zschorlau von diesen Verband ein großer Züchtertag veranstaltet.
Interesse an der Zucht von Rassegeflügel wie Gänse, Enten, Hühner und Tauben stiegEtliche Züchter beteiligten sich an auswärtigen Ausstellungen z. B. Berlin, Magdeburg, Leipzig, Dresden und sogar ParisErfolgreiche Züchter dieser Jahre waren: Schneidermeister Oskar GrimmBäckermeister Willy BretschneiderBauer Hugo GeorgiDirektor Albert SteinbachDie Züchtungen von Lakenfelder Hühnern ( in Besitz von Willy Bretschneider) wurden nach England verkauft. Durch wachsende Mitgliederzahl und damit verbunden eine höhere Frequentierung der Ausstellungen wurde der Kauf eines Käfigs notwendig. 200 Mark wurden dafür ausgegeben, gedeckt durch ein Darlehen von 2 Züchtern, diese Schulden bewirkten fast die Auflösung des Vereins. Dadurch, dass 33 Mitglieder Anteilscheine kauften, wurde das Weiterbestehen gesichert. 1924 zählte der Verein 92 MitgliederWohl fast in jedem 3. Haus befand sich ein Taubenschlag und manchmal auch Volieren mit Fasanen. Zur damaligen Zeit wurden in Verbindung mit Ausstellungen Wohltätigkeitskonzerte und Theateraufführungen durchgeführt. Der Reingewinn dieser Veranstaltungen wurde der Hans–Berger Stiftung übergeben. Diese Stiftung, benannt nach einem Schullehrer und Mitglied des Vereins, half minderbemittelten Einwohnern von ZschorlauIn den Protokollbüchern der zwanziger Jahre wurden verdiente Züchter erwähnt: Robert Baumann Alfred Lorenz Arno Müller Richard LorenzLouis Mülller Louis Leonhard Minna Schubert Tabea Gläser.
Die Auswirkungen des 1. Weltkrieges gingen auch an den Züchtern nicht vorbei, durch die schwierige Situation beispielsweise bei der Futterbeschaffung wurden etliche Zuchten eingeschränkt bzw. ganz aufgegeben. Während der Inflationszeit wurden die Beiträge auf 1 Million Mark erhöht, normal betrug der Jahresbeitrag 2,40 MarkDoch auch diese Krisenzeiten wurden bewältigt. Dazu trug u.a. Paul Klötzer bei, der 25 Jahre den Verein führte. Erwähnt wurden aber auch Josef Ludwig, Karl Rehm, Ewald Mehnert, Ernst Tröger, Max Koch, Walter Oehm, Oswald Grimm, Erich Ficker, Max Besser und Walter Klützer. Die Vereinsarbeit beschränkte sich nicht nur auf die rein züchterische Arbeit. Großen Stellenwert hatte die Geselligkeit. So gehörten Schweineschlachten, Schweinskopfessen und Schinkenbrotessen zum Vereinsleben. Laut Unterlagen wurde am 25.2.1928 sogar eine Kuh von 350 kg geschlachtet, aus der die Züchterfrauen einen exzellenten Rinderbraten herrichteten.1931 verließen 8 Zuchtfreunde den Verein, um ihren eigenen Verein mit Namen „Edelzucht zu gründen, allerdings dauerte es nur 2 Jahre, bis man sich wieder zusammenschloss.1939 zählte der Verein 117 Mitglieder. Dieses positive Ergebnis konnte Dank einer ausgezeichneten Öffentlichkeitsarbeit auch außerhalb der Zschorlauer Ortsgrenze erreicht werden.Eine maßgebliche Einschränkung in der Zuchtarbeit gab es mit der Anordnung der Reichsfachgruppe der Ausstellungsgeflüchter vom 01.10.1938: Demnach durften etiche Geflügelrassen ( seltene Rassen und Farbschläge) nicht mehr gezüchtet werden, sondern die Züchter sollten sich nur noch den Wirtschaftsrassen zuwenden.
Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges durften und konnten kaum noch Ausstellungen durchgeführt werden, Menschen mit jüdischer Abstammung durften kein Vereinsmitglied werden.Die Wirren des Krieges bedeutenden für die Rassegeflügelzucht große Verluste.Nach 1945 und der Spaltung Deutschlands wurden die Vereine getrennt. Am 28./ 29.11.1959 kam es in Leipzig im Hotel „ Goldener Löwe“ zur Gründung des Verbandes der Kleingärtner – Siedler – Kleintierzüchter ( VKSK ), damit begann die Lenkung aller Rassegeflügelzüchter durch die Partei und es begann ein unrealer Wettbewerb. Der Kreisverband musste nun mit Futterzuteilung leben, für Hühner gab es Mischfutter, Weizen, Gerste und Mais für die Tauben. Im Vordergrund standen die ökologischen Leistungen.Bedingt durch diesen Zustand schlossen sich viele Tierhalter den Sparten an, so zählte man in den 60-ziger Jahren in Zschorlau, Albernau und Burkhardtsgrün 117 Mitglieder.